3. Weltmeisterschaft Dreiband der Damen von 5. - 7.9.2008 in Sivas (Türkei)

Die Fachzeitschrift "billard" (Nr. 209, Originaltext) berichtete:

Die Favoritin für dieses Turnier war ganz klar die zweifache Weltmeisterin Orie Hida aus Japan, die, so der allgemeine Tenor, eigentlich nur in Europameisterin Therése Klompenhouwer eine echte Konkurrentin hatte. Dann gab es nach allgemeiner Einschätzung noch einige Spielerinnen, die an besonders guten Tagen mit den beiden so einigermaßen mithalten können, aber so recht an einen Titelgewinn einer Dame aus dieser Gruppe wollte doch niemand glauben.
In der Gruppenphase bestand ein Spiel aus drei aneinander gereihten Kurzpartien auf 12 Punkte jeweils, mit Nachstoß und der Gnade einer Aufnahmenbeschränkung. Von Satzsystem kann daher keine Rede sein und warum man die Damen nicht gleich auf eine vernünftige Distanz wie etwa 30 Punkte mit entsprechendem Limit spielen lässt, bleibt weiterhin ein Rätsel.

Gruppe A:
Die Titelverteidigerin ging gewohnt souverän zu Werk und gab nur einen „Satz”ab, und das zu einem Zeitpunkt, wo ihr Gruppensieg längst beschlossene Sache war. An zweiter Stelle platzierte sich Su Ah Park fürs Viertelfinale, mit ihr war erstmals eine Koreanerin am Start und das gleich mit gutem Erfolg. Für Tania Lopez aus Spanien, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen im Ausgangsklassement mit einem Durchschnitt von 0.700 stand, war das Turnier ebenso beendet wie für die überforderte französische Überraschungsmeisterin Christine Morel.
Gruppe B:
Die Spiele in dieser Gruppe starteten mit einer faustdicken Überraschung, deren Urheberin Helga Mitterböck war. Sie bezwang Klompenhouwer mit 0.750 Durchschnitt und machte damit gleich einen vielleicht schon entscheidenden Schritt Richtung Viertelfinale. Natürlich wird die Holländerin ein wenig mit der hauchdünnen Niederlage gehadert haben, aber noch war für sie alles möglich, sie hatte es selbst in der Hand. Als aber dann auch ihr zweites Spiel in die Binsen ging, war für sie die Katastrophe perfekt. Die Kofavoritin und sichere Medaillenanwärterin war nach nur zwei Spielen ohne jede Chance, ihr Sieg mit über 1 Durchschnitt im letzten Match blieb Makulatur. Einmal mehr ist Klompenhouwer mit dem auf ihr lastenden Druck und mit der Erwartungshaltung nicht fertig geworden.
Druck verspürte auch Mitterböck, als sie gegen Mortensen im zweiten Spiel antrat. Mit Müh und Not reichte es zu einem Unentschieden gegen eine Spielerin, der sie an sich überlegen ist. Nun war es aber geschafft, das Viertelfinale Realität. Daran konnte auch die klare Niederlage gegen die Japanerin Mouri nicht mehr etwas ändern, die sich damit den Gruppensieg holte.
Gruppe C:
In dieser Gruppe war mit Ester Park erstmals eine Amerikanerin am Start, die aber leistungsmäßig nicht an ihre Landsfrau Mercedes Gonzalez heranreicht, die durchaus über 0.600 anzusiedeln ist. Von ihr abgesehen war diese Gruppe eine sehr ausgeglichene, und das Opfer dieser Konstellation war Vizeeuropameisterin Danielle Le Bruijn, die Karina Jetten (NL) und Gülsen Degener, der Türkin mit der Berliner Schnauze, den Vortritt lassen musste.
Gruppe D:
Das Turnier hatte für die Holländerinnen noch eine negative Überraschung parat, als die routinierte Gerrie Geelen ebenfalls den Sprung unter die letzten 8 verpasste. Sie musste sich Michalkova (CZ) und Imaizumi (J) beugen, der einzige Sieg gelang gegen die Deutsche Michaela Esser.
Ab dem Viertelfinale wurde dann tatsächlich im Satzsystem gespielt, denn nun konnte man keine unentschiedenen Partien mehr brauchen. Gespielt wurde wieder auf 12 Punkte, best of five und ohne Limit und Nachstoß. Da kommt es dann zu schönen Sätzen, die 45 Aufnahmen dauern und Matches mit insgesamt an die 100 Aufnahmen oder sogar darüber. Es mag nun jeder selbst beurteilen, ob man da den Sportlerinnen und Zusehern etwas Gutes tut.
Hida verlor im Viertelfinale zwar den ersten Satz gegen Michalkova, erledigte aber dann die restlichen 36 Punkte in glänzenden 25 Aufnahmen. Mitterböck unterlag Degener nur scheinbar klar, denn zwei der drei Sätze gingen um jeweils einen einzigen Punkt verloren. Eine Medaille war absolut im Bereich des Möglichen gewesen, aber auch so ist es ein gutes Resultat und den Sieg gegen Klompenhouwer kann ihr niemand wegnehmen.
Imaizumi unterlag Su Ah Park, für Korea gab es damit gleich beim ersten Antreten eine Medaille, denn ein Spiel um Platz 3 war nicht vorgesehen, und das Erreichen des Halbfinales sicherte zumindest Bronze.
Die Ehre der Holländerinnen wurde von Karina Jetten gerettet, die gegen Mouri ordentlich Überstunden machen musste, um in 5 Sätzen die Vorschlussrunde zu erreichen, und dort setzte sie noch einen drauf, als sie die Koreanerin schlagen konnte. Wieder musste sie über fünf Sätze in einem der besten Spiele des Turniers gehen, um dann im Finale auf eine ausgeruhte und entspannte Orie Hida zu treffen, die Gülsen Degener locker in drei Sätzen eliminiert hatte. Jetten wehrte sich in den beiden ersten Sätzen tapfer und gut gegen Hida, im dritten Durchgang war sie dann aber mit ihren Kräften am Ende. Orie Hida ist und bleibt damit die klar beste Dreibandspielerin der Welt, es wird interessant sein, ihr Antreten beim Weltcupturnier in Korea zu verfolgen, für das sie wie andere Kolleginnen bereits genannt hat. Peter Stöger. Bild links Helga Mitterböck mit dem WM-Plakat, links Namiko Mori, rechts Akane Imaizumi

Spiele MP SP Points Aufn. GD BED B.Set HS
  1. Orie Hida (Japan) 6 12 – 00 30 – 04 199 210 0,947 1,047 1,500 7
  2. Karina Jetten (Niederlande) 6 08 – 04 21 – 21 191 365 0,523 0,514 1,090 6
  3. Gülsen Degener (Türkei) 5 08 – 02 18 – 08 130 239 0,543 1,090 1,500 5
  3. Su Ah Park (Korea) 5 06 – 04 20 – 12 148 308 0,480 0,545 1,333 4
  5. Namiko Mori (Japan) 4 06 – 02 16 – 08 124 212 0,584 0,888 1,200 4
  6. Akane Imaizumi (Japan) 4 05 – 03 13 – 11 121 269 0,449 0,666 1,000 4
  7. Irena Michalkova (Tschechien) 4 05 – 03 13 – 13 113 241 0,468 0,578 0,800 4
  8. Helga Mitterböck (Österreich)  4 03 – 05 07 – 13 84 218 0,385 0,750 0,750 4
  9. Therese Klompenhouwer (Niederlande) 3 02 – 04 06 – 08 71 101 0,702 1,043 1,333 6
10. Gerrie Geelen (Niederlande) 3 02 – 04 06 – 08 70 122 0,573 0,827 1,333 7
11. Danielle le Bruijn (Belgien) 3 02 – 04 05 – 09 71 148 0,479 0,857 0,857 5
12. Tania Lopez (Spanien) 3 02 – 04 04 – 08 46 112 0,410 0,550 0,800 6
13. Marianne Mortensen (Dänemark) 3 01 – 05 03 – 11 40 123 0,325 0,342 0,521 3
14. Michaela Esser (Deutschland) 3 00 – 06 04 – 12 65 168 0,411 -- 1,000 5
15. Ester Park (USA) 3 00 – 06 04 – 12 51 150 0,340 -- 0,571 2
16. Christine Morel (Frankreich) 3 00 – 06 00 – 12 37 109 0,339 -- -- 4
     

 

zurück zur Gesamtübersicht