7. Weltmeisterschaft Dreiband der Damen von 12. - 14. Mai 2017 in Halle-Zoersel (Belgien)

Foto: "kozoom". - Die Fachzeitschrift "billard" (Nr. 296) berichtete:

16 Spielerinnen aus drei Kontinentalverbänden nahmen an diesen Welttitelkämpfen teil. Angeführt wurde das Feld von der zweifachen Weltmeisterin und Titelverteidigerin Therese Klompenhouwer, sie war die Topfavoritin. Sieben Spielerinnen kamen über die Rangliste der CEB ins Turnier, darunter Helga Mitterböck. Danielle Le Bruijn, sie war auch in die Organisation eingebunden, hatte die Wildcard des Ausrichters erhalten, und vier Spielerinnen kamen aus Asien, darunter die dreifache Weltmeisterin Orie Hida. Erstmals waren auch Vertreterinnen des amerikanischen Kontinentalverbandes dabei, sie nahmen drei Plätze in Beschlag. In vier Gruppen ging es um acht Plätze im Viertelfinale, bei einer Distanz von 25 Points ohne Limit. Ab der ersten KO-Runde wurde dann auf 30 Punkte gespielt.

Gruppe A:   1. Klompenhouwer, 2. Mortensen, 3. Jetten, 4. Pruim-Emmens
Guter Turnierstart für die Titelverteidigerin: mit der erstklassigen letzten Partie schraubte sie ihren GD über 1, wo sie auch hingehört. Ein ganz wichtiges Spiel war das zwischen Karina Jetten und Marianne Mortensen, das die Dänin gewinnen konnte. Beide gewannen gegen Pruim-Emmens und verloren gegen Klompenhouwer, womit für Jetten das Turnier beendet war.

Gruppe B:  1. Lee Shin-young, 2. Degener, 3. Gomez, 4. Hambalkova
Der Zieleinlauf in dieser Gruppe war so erwartet worden. Weder Soledad Gomez bei ihrem Debüt noch Irena Hambalkova konnten in den Kampf um die Aufstiegsplätze eingreifen.

Gruppe C:  1. Hayashi, 2. Lee Mee-rae, 3. Le Bruijn, 4. Sandoval
Die junge Koreanerin Lee Mee-rae, die Silbermedaillengewinnerin der letzten WM, verlor zwar das letzte Spiel gegen Namiko Hayashi und verpasste damit hauchdünn den Gruppensieg, der Aufstieg war allerdings nicht gefährdet. Hausherrin Danielle Le
Bruijn schied ebenso aus wie die Kolumbianerin Johana Sandoval, die bei ihrem ersten Auftritt bei einer WM gut gefallen konnte.

Gruppe D:  1. Hida, 2. Buelens, 3. Perez, 4. Mitterböck
Helga Mitterböck bot eine angemessene Leistung und verabschiedete sich mit einer starken Partie vom Turnier, in der sie Orie Hida an den Rand eines Punkteverlustes brachte. Die Japanerin gewann natürlich diese Gruppe, vor der belgischen Nummer 1, Jaimie Buelens. Eine starke Leistung bot auch die Peruanerin Jackeline Perez, generell haben sich die Damen aus Südamerika als Bereicherung erwiesen. Schade ist nur, dass bei der Kontinentalmeisterschaft keine US-Amerikanerin dabei war, wie etwa Mercedes Gonzalez, die recht solide 0,600 spielt. Wer nicht an den Kontinentalmeisterschaften teilnimmt, kann dann auch nicht zu den Weltmeisterschaften.
Nach Abschluss der Gruppenspiele stand am zweiten Turniertag auch noch das Viertelfinale am Programm. Die Partien wurden gebildet nach dem Schema 1 - 8, 2 - 7 usw. Es ergab sich dabei, dass es zu vier Spielwiederholungen aus der Gruppenphase kam.

Viertelfinale: 
Therese Klompenhouwer – Marianne Mortensen  = 26 : 30 in 34 Aufn.
Namiko Hayashi – Lee Mee-rae = 22 : 30 in 61 Aufn.
Lee Shin-young – Gülsen Degener = 21 : 30 in 26 Aufn.
Orie Hida – Jaimie Buelens = 30 : 11 in 23 Aufn.

Klompenhouwer traf als beste Gruppensiegerin auf Mortensen, eine Pflichtübung, wie man meinte. Was nun folgte, war die bisher größte Sensation im Rahmen einer Damen-WM. Mortensen spielte das Match ihres Lebens, die Holländerin konnte nicht zu ihrem Spiel finden, warum auch immer, und war draußen. Der 52-jährigen Dänin, sie ist mehrfache Mutter, ist dieser Karrierehöhepunkt absolut zu vergönnen. Sie, die abseits des Billards reichlich zu tun hat, konnte sich in den letzten Jahren ein wenig steigern und wird diesen Tag, an dem sie die Nummer 1 der Welt schlug und damit eine WM-Medaille sicher hatte, nie vergessen.
In einer äußerst zähen Begegnung revanchierte sich Lee Mee-rae an Hayashi für die Niederlage im Gruppenspiel und auch Degener gelang ein Sieg gegen die zweite Koreanerin und damit die Wiedergutmachung im entscheidenden Moment. Sie zeigte eine sehr gute Leistung und wurde darin nur von Orie Hida übertroffen, die als einzige Spielerin ihren Gruppensieg bestätigte. Das Gesprächsthema aber war und blieb das Ausscheiden von Klompenhouwer.

Halbfinale:
Marianne Mortensen – Lee Mee-rae = 30 : 8 in 26 Aufn.
Gülsen Degener  – Orie Hida = 29 : 30 in 47 Aufn.

Am Finaltag war die Luft bei Mortensen raus, sie konnte ihre koreanische Gegnerin in keiner Phase halten. Die spielte allerdings auch eine Superpartie und sorgte mit der Schlussserie von 8 für einen Höhepunkt. Dramatisch ging es zwischen den erfahrenen Kontrahentinnen im zweiten Spiel der Vorschlussrunde zu. Degener wusste um ihre einmalige Chance, den ganz großen Wurf zu landen, aber auch Hida war sich der Möglichkeit bewusst, nach neun Jahren vielleicht wieder Weltmeisterin zu werden. Am Ende gewann sie mit einem Punkt Vorsprung als die vielleicht glücklichere Spielerin. Auf jeden Fall war sie kampfstärker, denn sie drehte einen gefährlichen Rückstand von zwischenzeitlich 10 Punkten.

Finale:
Lee Mee-rae – Orie Hida = 19 : 30 in 37 Aufn.

Hida hatte wenig Zeit zur Erholung, sie musste fast unmittelbar nach dem schweren Kampf wieder an den Tisch. Das Endspiel bot nicht sehr viel an Spannung, Hida war die dominierende Spielerin und schaffte damit ihren 4. Weltmeistertitel. Lee Mee-rae holte wie vor einem Jahr damit Silber und bestätigte ihr Talent und ihre Fähigkeiten als Turnierspielerin. Natürlich muss sie noch stabiler werden, aber die Zukunft gehört der 20-jährigen Koreanerin, der deutlich jüngsten Teilnehmerin. Sie und Klompenhouwer, die trotz der sensationellen Niederlage die beste Spielerin der Welt bleibt, werden wohl in Zukunft die Weltmeisterschaften unter sich ausmachen. Bei Hida ist nicht ganz klar, wie und ob es mit der Karriere weitergeht. Die 41-jährige ist berufstätig und träumt von einer Familiengründung, Umstände, die eine Konzentration auf ihren Sport, der eine brotlose Kunst ist, sehr erschweren. Bei der Siegerehrung nach dem stimmungsvollen Turnier hatte man dann das Gefühl, dass noch nicht einmal die Weltmeisterin so strahlte wie Marianne Mortensen, die Bronzemedaillengewinnerin aus Dänemark. Peter Stöger

Spiele MP Points Aufn. GD BED HS
  1. Orie Hida (Japan) 6 12 165 190 0,868 1,304 8
  2. Lee Mee-rae (Korea) 6 8 146 228 0,640 1,153 8
  3. Gülsen Degener (Türkei) 5 6 126 179 0,703 1,153 6
  3. Marianne Mortensen (Dänemark) 5 6 104 173 0,601 0,882 6
  5. T. Klompenhouwer (Niederlande) 4 6 101 103 0,980 1,666 7
  6. Lee Shin-young (Korea) 4 6 96 129 0,744 0,833 6
  7. Jaimie Buelens (Belgien) 4 4 74 130 0,569 0,714 4
  8. Namiko Hayashi (Japan) 4 4 95 175 0,545 1,041 5
  9. Karina Jetten (Niederlande) 3 2 57 87 0,655 0,735 5
10. Jackeline Perez (Peru) 3 2 54 91 0,593 0,641 5
11. Danielle Le Bruijn (Belgien) 3 2 68 125 0,544 0,531 4
12. Soledad Gomez (Kolumbien) 3 2 54 145 0,372 0,342 5
13. Johana Sandoval (Kolumbien) 3 2 69 132 0,522 0,568 4
14. Helga Mitterböck (Österreich) 3 0 55 123 0,447 --- 3
15. Mirjam Pruim-Emmens (Niederlande) 3 0 45 103 0,436 --- 5
16. Irena Hambalkova (Tschechien) 3 0 60 148 0,405 --- 6
     

 

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